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Märchen & Wahrheiten über unsere Ernährung

Artikel von Prof. Dr. Klaus Steger,
Justus-Liebig-Universität Gießen


Kein Märchen: Frauen brauchen Schokolade!

Schokolade bewirkt in unserem Gehirn den Umbau der Aminosäure Tryptophan in das Glückshormon Serotonin. Der natürliche Serotoninspiegel in unserem Körper steigt mit zunehmender Sonneneinstrahlung, weshalb wir in den Wintermonaten mehr Schokolade essen.
Bei Frauen schwankt der Serotoninspiegel zusätzlich mit dem Menstruationszyklus, was zu mehr oder weniger großen Stimmungsschwankung-en führen kann. Besonders niedrige Werte treten kurz nach dem Eisprung und kurz vor der Monatsblutung auf, die durch die Zufuhr von Schokolade ausgeglichen werden können.


Dunkle Mehrkornbrötchen sind Vollkornbrötchen

Mehrkornbrötchen werden häufig mit Zuckerkulör oder Malz bestrichen, um ein Vollkornbrötchen vorzutäuschen. Zudem schmeckt Süßes besser und wir essen mehr davon.


Margarine ist gesünder als Butter

Beide liefern ca. 750kcal/100g. Margarine enthält mehr langkettige Fettsäuren, die von unserem Körper leichter in Speicherfett umgewandelt werden. Zudem beeinflussen die durch die Härtung pflanzlicher Öle entstehenden Transfette den Cholesterinspiegel negativ, d.h. sie erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes-II.


Fett macht fett

Übergewicht beruht auf einer gestörten Energiebilanz, d.h. es werden mehr Kalorien zugeführt, als verbraucht werden. Während tierische (sog. gesättigte) Fette das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen, sind pflanzliche (sog. ungesättigte) Fette lebensnotwendig, da sie unser Körper nicht selbst herstellen kann. Fatburner wie Ananas, Grapefruit, Papaya, Artischocken, Brokkoli, Karotten und Spargel machen zwar nicht dick. Es ist jedoch unmöglich, dass bei der Verdauung eines Nahrungsmittels mehr Kalorien verbraucht werden, als es selbst liefert.


Eier erhöhen den Cholesterinspiegel

Cholesterin ist ein wichtiger Bestandteil von Zellmembranen, sowie von Geschlechtshormonen und Vitamin D. Darüber hinaus ist es für die Nervenleitung wichtig. Da unser Körper selbst Cholesterin herstellt, ist der Cholesterinspiegel relativ unabhängig von der Nahrungsaufnahme. Zudem enthalten Eier auch Lecithin, welches die Aufnahme von Cholesterin erschwert.


Salat enthält viele Vitamine

Die Vitamine sind für den Menschen kaum verfügbar, da er kein Enzym zum Aufschluss der pflanzlichen Zellwand (Zellulose) besitzt. Salate sind Ballaststoffe. Sie machen satt, aber nicht dick. Sie regen die Darmtätigkeit an und beugen Darmkrebs vor. Sie senken den Cholesterinspiegel und beugen Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor.


Zitrusfrüchte enthalten viel Vitamin C

Der Mensch kann Vitamin C weder selbst herstellen, noch speichern; Er sollte daher täglich ca. 75mg Vitamin C mit der Nahrung aufnehmen. 100g Zitronen enthalten 55mg und 100g Orangen 50mg Vitamin C. Absolute Spitzenreiter sind: Hagebutte (1250mg), Sanddorn (450mg), Schwarze Johannisbeere (189mg) und Paprika (100mg). Beachte, dass Vitamin C bei Temperaturen über 70ºC zerstört wird. Heiße Zitrone ist daher kaum wirksamer als heißes Wasser!


Dosengemüse enthält keine Vitamine

Durch die schonende Verarbeitung, sowie durch den Ausschluss von Licht und Luft gehen im Laufe von 2 Jahren nur ca. 10% der Vitamin C Menge verloren. Bei Tiefkühlgemüse sind es ca. 30%. Bei einem Apfel, der bei Raumtemperatur gelagert wird, ist bereits nach 4 Wochen kein Vitamin C mehr nachweisbar.


Milch ist gesund und soll am besten täglich getrunken werden

Diese Aussage wird allein durch die Tatsache ad absurdum geführt, dass der überwiegende Teil der Weltbevölkerung eine Milchunverträglichkeit zeigt. Ein Großteil des Kalziums wird durch die Magensäure gebunden und kann daher gar nicht vom Darm aufgenommen werden. Aufgrund des hohen Eiweißgehalts wird ein Teil des verbleibenden Kalziums über den Urin ausgeschieden. Der hohe Anteil an schwefelhaltigen Aminosäuren bewirkt zudem eine Übersäuerung. Um dieser entgegenzuwirken kann unser Körper den Knochen unter Umständen sogar Kalzium in Form von Kalziumphosphat entziehen.


Spinat enthält viel Eisen

Der Eisengehalt wurde an getrocknetem Spinat ermittelt, dann aber frischem Spinat zugeschrieben, der jedoch zu 90% aus Wasser besteht. 100g Spinat enthält somit nur 3,5mg und nicht 35mg Eisen.


Alkohol ist gut für die Verdauung

Alkohol hat nicht nur viele Kalorien, sondern auch einen negativen Einfluss auf den Fettstoffwechsel. Er erhöht unseren Blutspiegel an Triglyzeriden und verhindert somit den Fettabbau. Die wohltuende Wirkung beruht auf einer verminderten Wahrnehmung des Magendrucks.


Alkohol führt zu Leberzirrhose und Krebs

Alkohol ist ein Abfallprodukt des menschlichen Stoffwechsels. Der Abbau durch die Leber ist daher ein natürlicher Vorgang. Allein die Dosis macht das Gift! Die im Rotwein enthaltenen Polyphenole wirken als Radikalfänger und beugen somit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und (Prostata)Krebs vor.


Geschmacksverstärker machen nicht dick

Geschmacksverstärker regen den Appetit an, weshalb in italienischen Restaurants gerne Parmesan verwendet wird, der einen natürlichen Geschmacksverstärker enthält. Natriumglutamat (E620) kann die Blut-Hirn-Schranke durchdringen und zu Kopfschmerzen und Übelkeit führen (China Restaurant Syndrom). Der Hinweis ´Ohne den Zusatzstoff Geschmacksverstärker laut Gesetz´ heißt, dass dem Lebensmittel Hefeextrakt zugesetzt wurde, welches zuvor mit Geschmacks-verstärker behandelt wurde.


Zucker verursacht Diabetes

Beim Typ-I Diabetes produziert der Körper kein oder zu wenig Insulin, welches dem Körper durch Medikamente zugeführt werden muss. Beim Typ-II Diabetes ist entweder zu wenig Insulin im Blut vorhanden oder die Zellen sind gegenüber dem Insulin resistent. Die ´Zuckerkrankheit´ sollte daher in Insulinmangelkrankheit umbenannt werden.


Zucker verursacht Karies

Karies wird durch saure Ausscheidungen von Bakterien verursacht, die sich von den Nahrungsresten in unseren Zahnzwischenräumen ernähren. Wichtig ist allein die Verweildauer, die am besten durch ausreichende Zahnhygiene beeinflusst wird. Die Angabe ´Ohne Kristallzucker´ heißt im Klartext: Zugabe von nicht unerheblichen Mengen an Zuckersirup. ´Zuckerfrei´ heißt ohne Saccharose (Haushaltszucker). Meist wird Fruktose als Zuckerersatz zugegeben, welche jedoch schneller in Körperfett umgewandelt wird als Glukose (Traubenzucker). Zudem können viele Menschen Fruktose nur schlecht aufnehmen, was im Darm zu vermehrtem Bakterienwachstum, chronischer Immunstimulation und schließlich Insulinrezeptorresistenz führt. Auf längere Sicht ist Fruktose also gesundheitsschädlich!


Süßigkeiten enthalten keine Vitamine

Da viele Süßigkeiten Mandeln (Marzipan) oder Nüsse (Nougat) enthalten, sind sie reich an Vitamin E und B6. Süßigkeiten mit Vitaminzusätzen sind jedoch nicht gesünder! Wenn sechs Bonbons den Tagesbedarf an Vitamin C decken, dann nimmt man damit trotzdem ca. sechs Teelöffel Zucker auf!


Süßstoff ist eine gesunde Alternative zu Zucker

Süßstoffe sind weder gesund, noch machen sie schlank! Zum einen können sie von unserem Körper nicht verstoffwechselt werden. Durch die fehlende Insulinausschüttung kommt es damit aber auch zu keinem Sättigungsgefühl. Zum anderen regen sie den Appetit an, da Süßes einfach besser schmeck und wir mehr davon essen.


Light-Produkte sind gesünder als vergleichbare Produkte

Produkte dürfen nur dann als light bezeichnet werden, wenn sie mindestens 30% weniger Kalorien enthalten als vergleichbare Produkte. Der Haken: Für Waren, die bereits vor 2005 im Handel waren, existiert eine Übergangsfrist von 15 Jahren. So enthält eine Tafel Jogurette(R) (Ferrero(R)) mehr Kalorien als eine Tafel Vollmilchschokolade (Milka(R)).


Auf dem Etikett steht alles drauf was drin ist

Richtig, aber es ist vieles drin was nicht drauf steht! So enthält ein Becher Erdbeerjoghurt durchschnittlich eine halbe Erdbeere. Hinzu kommen Fruchtstücke aus Pressrückständen, sowie Fruchtimitate, die aus Dikalziumphosphat (aus Knochenabfällen) und Dickungsmittel (aus Algen) hergestellt werden. Das Erdbeeraroma produzieren Schimmelpilze, die auf Sägespänen wachsen. Vanillin wird übrigens aus Ligninsulfonsäure, einem Abfallprodukt der Papierherstellung gewonnen und Bananenaroma entsteht durch eine Mischung aus Essigsäure, Isopentylalkohol und Schwefelsäure.


Literatur / Quellen

  • Grimm HU, Ubbenhorst B. Echt künstlich – Das Dr. Watson Handbuch der Lebensmittel-Zusatzstoffe. Dr. Watson Books, Stuttgart 2007.
  • Müller-Nothmann SD, Vogt M, Nothmann D. Moderne Ernährungsmärchen. Schlütersche Verlagsgesellschaft, Hannover 2007.
  • Sabersky A, Zittlau J. Die großen Ernährungslügen – Essen mit Nebenwirkungen. Knaur, München 2007.
  • Vollborn M, Georgescu VD. Die Joghurt-Lüge – Die unappetitlichen Geschäfte der Lebensmittelindustrie. Verlagsgruppe Lübbe, Bergisch Gladbach 2008.

Autor

Prof. Dr. Klaus Steger,
Justus-Liebig-Universität Gießen






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