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Artikel von Dr. med. Eva Lischka.

Heilfasten ist weit mehr als Abnehmen – Einstieg in ein gesünderes Leben

Fasten ist in Mode gekommen. Ist es nur eine kurzfristige Erscheinung?

Bereits seit Jahrtausenden ist das Fasten in den unterschiedlichen Kulturen bekannt. In den Ursprüngen der Religions- und Medizingeschichte waren „Heiler“ und „Priester“ in ein und derselben Person vereint. So war der Arzt nicht nur für den Körper der Menschen, sondern auch für dessen Seele verantwortlich. Der Priester wiederum hatte sehr gute Kenntnisse in der medizinischen Heilkunst. Daher ist der Ursprung der Fastentradition nicht nur auf körperlicher, sondern auch auf spiritueller Ebene zu suchen. In verschiedenen Religionen fasten Gläubige als körperliches und geistiges Reinigungsritual.

Warum sollten wir heute fasten?

Fasten hat eine vorbeugende und therapeutische Wirkung. Viele der so genannten Zivilisationskrankheiten erwerben wir uns heute durch zu fette, vitalstoffarme und mit chemischen Zusätzen überfrachtete Ernährung – kombiniert mit Bewegungsmangel und chronischem Stress. Das schafft unser Stoffwechsel nicht und führt zu den heutigen Zivilisationserkrankungen wie zum Beispiel hoher Bluthochdruck, Zucker-, Herz- und Kreislauferkrankungen. Die Zäsur des Fastens kann ein Anfang sein, dem entgegenzuwirken und aus dem Alltagstrott mit schlechten Angewohnheiten auszubrechen.

Ich möchte abnehmen. Was kann ich mit Fasten schaffen?

Viele Übergewichtige haben eine Odysee von Diäten hinter sich und haben dabei den Jo-Jo-Effekt diverser Schlankheitskuren erlebt: Das Gewicht sinkt, um dann um so schneller wieder anzusteigen. Mit der kombinierten Heilfastentherapie setzen wir dem ein Therapiekonzept ohne Jo-Jo-Effekt entgegen. Mit dem Heilfasten leitet der Übergewichtige die Umstellung seiner Ernährungsgewohnheiten und die Gewichtsreduktion ein. Männer nehmen in zehn Tagen bis neun Kilo ab, Frauen bis zu fünf. Der Unterschied der Gewichtsabnahme liegt in der hormonellen Struktur. Anschließend erfolgt der Umstieg auf eine gesunde Ernährung, die es ermöglicht, die Gewichtsreduktion fortzuführen und das angestrebte Normalgewicht auf Dauer zu halten. Durch das Fasten kommt es nicht nur zu motivierenden raschen Gewichtsverlusten, sondern auch zu einer Harmonisierung des vegetativen Nervensystems, so dass sich die Motivation, sich auf eine Umstellung gewohnter Lebensweisen einzulassen, wie von alleine einstellt.

Habe ich beim Fasten Hunger?

Nein, und das ist der große Vorteil gegenüber allen Diäten. Bei Reduktionskost wird entweder weniger gegessen oder einseitig. Beim Fasten wird als erstes der Darm gründlich geleert. Der Stoffwechsel schaltet um auf eigene Ressourcen, auf „Müllverbrennung“.

Kann man auch denn auch zu Hause fasten?

Gesunde Menschen können auch zu Hause fasten, aber empfehlenswert ist das nur, wenn sie bereits einmal in einer Fastenklinik oder unter ärztlicher Aufsicht gefastet haben. Ich würde allerdings auch den Gesunden raten, sich den Aufenthalt in einer Fastenklinik einfach zu gönnen. Hier können sie sich verwöhnen lassen und wohl tuende Anwendungen genießen. So stellt sich bald eine Erholung vom Alltagsstress ein.

Kranke Menschen dürfen in jedem Fall nur unter spezieller fastenärztlicher Betreuung fasten.

Täglich zur Arbeit und fasten – passt das zusammen?

Wichtigste Voraussetzung ist die Einstellung, etwas Gutes für Körper und Seele zu wollen. Deshalb ist es nicht ratsam, es schnell nebenbei zwischen Stress und Hektik des Alltags zu versuchen. Fasten sollte neben der enormen körperlichen Entlastung auch im Psychischen Entspannung bringen. Das ist nur möglich, wenn ich mir auch die nötige Ruhe – besonders beim Einstieg – gönne. Im Routinebetrieb des Alltags finden wir oft keine Zeit, unsere Lebensführung zu überdenken. Deswegen sollten wir das Fasten am besten in die Urlaubszeit legen. So können wir uns ganz aus dem Alltag ausklinken und über die Art und Weise, wie wir unser Leben zurzeit führen, nachdenken. Ein von Ärzten begleitetes Fasten ist im Idealfall ein Gesundheitstraining im Urlaub. Den Fastenden wird aufgezeigt, welche Sportarten für sie geeignet sind, wie schmackhaft eine vitalstoffreiche Ernährung sein kann, welche Entspannungstechniken sie zur Stressreduktion anwenden können und wie sie einen liebevolleren Umgang mit sich selbst und anderen pflegen können. Beim Fasten gelingt es, die Wege zu den inneren Kraftquellen freizuräumen, die in der Alltagsroutine zugeschüttet wurden.

Wie kann Fasten der Einstieg in ein gesünderes Leben sein?

Nicht nur unser Körper reagiert auf das Fasten, sondern auch unsere Psyche verändert sich. Viele fühlen sich wohler und ausgeglichener. Ich habe beobachtet, dass die Fastenden sich zum Teil regelrecht euphorisch fühlen. Sie sind motiviert und entwickeln Ideen, wie sie ihr Leben verändern können. Diese Veränderungsbereitschaft hält auch über das Fasten hinaus an.

Meiner Erfahrung nach suchen viele Fastende mehr als die körperliche Besserung ihrer Beschwerden: Sie öffnen sich auch dem seelsorgerischen und therapeutischen Gespräch. Sie kommen zur Ruhe und beschäftigen sich mit sich selbst und ihrem Leben. Da ist es wichtig, dass der Fastende Begleitung und Unterstützung findet, wenn er sie braucht. In der Auseinandersetzung mit sich selbst und im Gespräch kann ihm bewusst werden, was er sonst immer und schon lange geschluckt hat: zum Beispiel die kleinen privaten Streitereien oder der selbst gemachte Stress bei der Arbeit. Beim Fasten kann man seinen Lebensweg neu überdenken, sich mit der Vergangenheit aussöhnen und sich um das Jetzt kümmern. Was tut mir gut? Was plane ich für die Zukunft? Was ist gesund für mich? Ist mein Leben so, wie ich es mir vorstelle und wünsche?

Diese intensiven Überlegungen nehmen wir auch in das Leben nach dem Fasten mit. Im besten Fall verändern wir unsere gewohnte Alltagsroutine. Auch zur Rauchentwöhnung ist das Fasten beispielsweise gut geeignet. Die Zigarette schmeckt nicht mehr – ohne größere Entzugserscheinungen.

Falle ich nach dem Fasten nicht wieder in meine alten Gewohnheiten zurück?

Meiner Erfahrung nach hält der Entspannungs- und Erholungseffekt des Fastens noch eine lange Zeit an. Die veränderte Einstellung nimmt der Fastende in seinen Alltag mit. In der Regel ist man nach dem Fasten ruhiger und besser gestimmt. „Ich fühle mich so gut wie nie zuvor!“ Das habe ich oft im Nachhinein von den Menschen gehört, die heilgefastet haben.

Nach dem Fasten sind zudem die Geschmacksknospen reaktiviert. Durch die vielen Geschmacksverstärker in unserer Nahrung haben wir ganz vergessen, wie natürliche Lebensmittel schmecken. Wir erleben wieder ein ganz anderes Geschmacksempfinden. Auch die Lust, sich zu bewegen, kommt wieder. Während des Fastens haben wir abgenommen und haben idealerweise in Kursen Sportarten aufgezeigt bekommen, die wir auch in unserem Alltag ausüben können. Viele haben ihre Lebensgewohnheiten geändert. Das Fasten war ein Anstoß dazu.

Viele Menschen, die einmal gefastet haben, wissen, wie gut ihnen das Fasten tut und fasten regelmäßig. Der kurzzeitige Verzicht auf feste Nahrung unter fachkundiger Leitung ist sicherlich ein Gewinn fürs Leben.

Infos:

Zur Autorin:
Frau Dr. Lischka  ist Vorsitzende der Ärztegesellschaft für Heilfasten und Ernährung und seit 23 Jahren als Ärztin in der Malteser Klinik von Weckbecker tätig, einer Fachklinik für Naturheilverfahren. Sie sieht das Fasten als tief greifende Therapie und Einstiegsmöglichkeit in eine gesündere Lebensführung.

Die Malteser Klinik von Weckbecker, Fachklinik für Naturheilverfahren, verbindet seit 50 Jahren Heilfasten, klassische Naturheilverfahren und Schulmedizin. Das Besondere ist ihr ganzheitlicher Ansatz unter den Gesichtspunkten Medizin, gesunde Ernährung und Lebensführung sowie Spiritualität. In der Klinik werden unter anderem sind regelmäßige Kurse „Fasten und Spiritualität“ Angebote, die von seelsorglich und therapeutisch erfahrenen Begleiter betreut werden. Sie bieten spirituelle Impulse und Zeiträume an, um die eigenen Kräfte (wieder-) zu finden, die Kreativität neu zu entdecken, Leichtigkeit und Lebensfreude zu erleben.

Weitere Informationen unter www.weckbecker.com,
per Telefon unter 09741/830 oder im
Buch „Lebenslust durch Fasten“ von Dr. med. Eva Lischka und Dr. med. Norbert Lischka, ISBN-Nr. 3-00-015508-2.





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